Immer auf der Überholspur

Ja, du weißt es natürlich besser. Ein Mann wie du lässt sich nicht davon fertig machen, wenn es plötzlich nur noch eine Geradeaus-Spur gibt. Und auch nicht von dem Stau darauf, den es jetzt jeden Morgen gibt. Hinten anstellen, wie es gut erzogene Menschen tun? Das ist unter deinem Niveau! Nein, du kennst den Trick. Kaum fängt das Schneckentempo an, wirfst du dein Gewinnerlächeln an. Ziehst deinen schwarzen BMW auf Tempo 70 hoch, brichst auf die freie Linksabbiegerspur aus, zischst siegessicher an mir vorbei. Um dich an der Kreuzung wieder frech auf meine Spur zu drängeln. Ups, gar nicht bemerkt, dass es hier nicht mehr gerade aus weitergeht…. Grrr, jaja! Und ich lass dich seit Monaten auch noch großmütig rein – obwohl du dich nicht mal bedankst. Aber jetzt ist Schluss, Blödmann!

Spa-Spacken

Nach dem heutigen Sauna-Nachmittag hier die Top 3 meiner persönlichen Spa-Spacken:

1. Der Liegenbesetzer. Markiert mit seinem Handtuch eine von fünf Liegen auf dem Sonnendeck, um dann mit überlegendem Grinsen komplette drei Stunden in Sauna, Whirlpool, Restaurant oder Massagekabine zu verschwinden.

2. Der Schweißabstreicher. Wählt vorzugsweise die oberste von drei Bänken, um seinen Schweißkonsum effektiv anzukurbeln. Entwickelt schnell enorme Mengen an Körperflüssigkeit, die er unter brünstigem „Oaaahhh“ im 30 Sekunden-Takt von Armen und Schultern abstreift oder kreisförmig auf Brust und Bauch verteilt, bis der fehlende Spritzschutz die konsequente Verteilung bis auf seine Sitznachbarn garantiert hat.

3. Der Genitalzeiger. Liegt im Ruheraum gern nackt – und legt dabei solange sein rasiertes Genital zurecht, bis es dekorativ genug positioniert ist, um damit auch in Rückenlage und schlafend eine gute Figur zu machen. Auf dem Rückweg in die Sauna trägt er sein Handtuch grundsätzlich in der Hand, nie aber um die Hüfte.

Specknase schmeckt´s nicht

Kleines Verwöhn-Wochenende in schnicken Ostsee-Hotel mit Sterneküche.

Verliebtes Paar ohne Geschmacksverirrung im kerzenlichtbeschienenen Restaurant beim Abendessen. Ach, sind die Menschen hier nett. Oh, ist das hier hübsch eingerichtet. Und diese Karte…

Im Steinofen gebackenes, noch warmes Johannisbeer-Brot mit aus dem Bio-Kräutergarten stammendem Fenchelöl, schwarzem hawaiianischen Meersalz und blühender Kapuzinerkresse gesellen sich auf den Tisch. Weicher warmer Teig zergeht auf der Zunge, perfekter Weißwein spült ihn perfekt gekühlt in den Magen. Gruß aus der Küche: Steinpilzschaum. Aroma zu Heulen gut. Kürbiscarpaccio mit Nelkenessig und geräuchertem Saibling – die Geschmacksnerven drehen durch. Wir sind kaum in der Lage zu essen, wir möchten nur noch schmecken. Leise Chanson-Musik aus dem Lautsprecher. Der wundervollste Ort dieser Welt.

Specknase mit überdekorierter Begleitung betritt den Raum. Ihr Parfum legt den Riechsinn lahm, seine lautstarken Sprüche über unfähige Angestellte zerreißen die Luft. Immerhin schafft Specknase es beiläufig, sein Essen zu ordern und nimmt die gleichen vier Gänge. Wir wundern, staunen, genießen. Er schlürft, schmatzt, schlingt. Trägt so laut schlechte Witze vor, dass wir fast Ohrenschmerzen kriegen. Bestellt drei Mal anderen Wein. Verliebtes Paar versucht es mit voller Konzentration auf die eigene Tischdecke und das, was darauf steht. Parmesan-Grießstrudel mit Rotweinschalotten und Buchenpilzen kommt, dann ein Heilbuttfilet mit Kartoffelkruste zum Niederknien. Zum Schluss Schoko-Sorbet mit flambierten Zwetschen und karamellisierter Ananas-Minz-Creme, Espresso. Vokale Verneigung vor dem bescheidenen Koch. Er läuft vor Freude rot an – und dann zum Nebentisch weiter. „Hat es Ihnen auch gefallen…?“ Specknase räuspert, schnieft, sieht sich Beifall heischend um. „Ach wissen Sie….“, rotzt er dahin und macht eine Kunstpause, um lautstark seine Speisereste aus den Zähnen zu zutschen, „das war nichts Besonderes.“

Ich bin auch der Meinung, dass Restaurant-Angestellte unangenehmen Gästen keine reinhauen sollten. Aber ich wäre sehr dafür, dass man dies den übrigen Besuchern erlaubt!