Auto-Aggression

Abends um neun, das ist Parkplatz-Großkampfzeit bei uns im Viertel. Wir sind mit einem Kleinwagen unterwegs, nichts aufregendes, aber für unseren dichtbesiedelten Stadtteil nicht das schlechteste Auto.

Plötzlich sehe ich einen jungen Typen mit Sporttasche über der Schulter. Er muss aus dem Fitnessstudio bei uns um die Ecke kommen, könnte ja sein, dass er in das Auto da vorne steigt und wir den Parkplatz nehmen können. Ich nehme Blickkontakt auf. Einmal. Nichts. Zweimal. Nichts. Dreimal. Er schaut mich an, er schaut meinen Kleinwagen an, er lächelt. Nicht nett, sondern süffisant, herablassend, überheblich. Dann dreht er den Kopf weg.

Der Kerl steigt jetzt in seinen Wagen, es ist ein BMW 3er Cabrio. Er lässt sich Zeit, obwohl er weiß, dass wir warten. Demonstriert lieber, was er für ein geiles Auto hat, und öffnet das Verdeck. Er fühlt sich großartig dabei, doch in Wahrheit macht er gerade den ersten Fehler. Der 3er trägt ein Blechdach, die Interessierten unter ihnen wissen das sicherlich, und es gibt wirklich kaum einen uncooleren Anblick als ein sich zusammenfaltendes Blech-Klappdach. Also, dachte ich jedenfalls, während ich weiter darauf wartete, dass der junge Mann endlich den Rückwärtsgang einlegt.

Aber doch, es geht schlimmer, denn jetzt macht Mr. Extremlässig den zweiten, für mich entscheidenden Fehler: Er fährt die Seitenscheiben hoch. Als Mann. Bei einem Cabrio. Mit geöffnetem Dach. Machen wir es kurz: Das ist lächerlich. Dach runter, aber Seitenscheiben hoch, das ist das automobile Einerseits/Anderseits, ein Ausdruck kompletter Unsicherheit, ein Zeichen des Rollen-Wirrwarrs zwischen Abenteurer und Angsthasen.

Der junge Typ ahnt davon nichts, als er davon fährt, er hält sich immer noch für was viel besseres und macht gedanklich den Heini da im roten Kleinwagen noch viel kleiner. Aber ich, ich lächele. Denn ich weiß, dass ich eben gegen ihn gewonnen habe.

 

2 Gedanken zu „Auto-Aggression

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