Journalisten und Verlage – der Kampf um die Marken-Herrschaft

Jeder Journalist sollte alles daran setzen, im Internet eine Marke zu werden, schreibt Karsten Lohmeyer in seinem Blog Lousy Pennies. Jetzt ist das weder ein doofer Mensch noch ein doofer Gedanke, gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen im Journalismus. Im Gegenteil, mir erscheint der Ratschlag als eine Art Lebensversicherung in unserer Branche. Ich finde aber, dass das Thema trotzdem hier in diesen Blog passt – denn der Journalist als Marke, das kann zumindest doofe Konsequenzen haben.

Die Folge wird nämlich sein, dass künftig in den Redaktionen die Marke Journalist auf die Marke der Publikation trifft. Auf der einen Seite der Autor, der seinen Namen, seinen Stil, seinen Ruf verbreiten will. Auf der anderen Seite das Medium, für das er schreibt, welches ebenfalls einem Markenbild folgt und dieses verteidigen muss, will es nicht beliebig wirken.

Es gab ja bereits Rechtsstreitigkeiten um die Frage, in wie weit eine Redaktion den Text eines freien Mitarbeiters redigieren kann, und letztlich ist dies auch ein Ausdruck des Kampfes um die Marken-Herrschaft. Ich selbst habe erlebt, wie unschön solche Konflikte enden können. Manchmal bleibt am Ende nur die Trennung.

Natürlich ist es auch denkbar, dass eine Publikation einfach eine möglichst große Vielfalt ihrer Autoren abbildet, dass sie vielleicht sogar vom Glanz der Marken ihrer Autoren profitiert. Allerdings droht sie dabei auch ihre Identität, ihren Zusammenhalt zu verlieren. Und ein journalistisches Medium, das keine klare DNA besitzt, wird es schwer haben, sich im Wettbewerb zu behaupten.

Ich glaube nicht, dass die Lösung für dieses Problem auf Seiten der Journalisten gesucht werden kann. Je mehr Arbeitsplätze in den Redaktionen abgebaut werden, je mehr Zeitungen und Zeitschriften eingestellt und verkauft werden, umso mehr werden sie gezwungen sein, eine Marke aus sich zu machen. Es liegt stattdessen an den Verlagen, ihre festen und freien Mitarbeiter gar nicht erst in diese Situation zu bringen.

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