Wir sind Misanthropen – und wir mögen Menschen

Mir ist eben aufgefallen, dass Jana und ich diesen Blog schon vor vier Jahren gegründet und seitdem mit der beachtlichen Quote von 2,75 Beiträgen pro Jahr bestückt haben – aber noch immer den klassischen „Über diesen Blog“-Beitrag schuldig sind. Ich weiß gar nicht, ob das gesetzlich erlaubt ist. Jedenfalls müssen wir das dringend ändern, jetzt und hier.

Ein sehr schlauer und sehr kritischer Kollege sagte heute zu mir: „Ich habe deinen Blog gelesen; du glaubst doch selber nicht an das Gute im Menschen.“ Das ist ein Missverständnis, und ich fürchte, Jana und ich haben es mit der Wahl der Domain selber verursacht.

Die Sache ist die: Jana und ich sind Misanthropen – aber wir mögen Menschen. Wir mögen Menschen, die solidarisch sind, die warmherzig sind, die Empathie haben, die mitdenken und die an sich selber die gleichen Maßstäbe anlegen, die sie von anderen verlangen. Was uns fertig macht und in diesem Blog seine Entladung findet, das sind eben die anderen. Die Rücksichtslosen, die Gedankenlosen, die Arschgeigen. Die, die an der Autoschlange links vorbei fahren und vorne wieder einscheren wollen, weil sie sich für schlauer als die anderen halten. Die, die dir an der Supermarktkasse den Einkaufswagen in die Hacken schieben, weil sie noch schnell die Kasse wechseln wollen. Die Paare, die sich am Bierstand im Stadion auf zwei verschiedene Schlangen aufteilen, damit sie sich eventuell noch eine milliliterkurze Zapfhahnphase schneller voran schieben können.

Allen anderen möchten wir sagen: Doch, echt, wir mögen Menschen. Und wisst ihr was? Einige unserer besten Freunde sind Menschen!