Über Alex

Im Grunde ein ganz netter Kerl, sagt man, aber oft genervt von Menschen und ihrem Verhalten. Für seine 36 Jahre schon ein ziemlich starker Nörgler und Rechthaber.

Journalisten und Verlage – der Kampf um die Marken-Herrschaft

Jeder Journalist sollte alles daran setzen, im Internet eine Marke zu werden, schreibt Karsten Lohmeyer in seinem Blog Lousy Pennies. Jetzt ist das weder ein doofer Mensch noch ein doofer Gedanke, gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen im Journalismus. Im Gegenteil, mir erscheint der Ratschlag als eine Art Lebensversicherung in unserer Branche. Ich finde aber, dass das Thema trotzdem hier in diesen Blog passt – denn der Journalist als Marke, das kann zumindest doofe Konsequenzen haben.

Die Folge wird nämlich sein, dass künftig in den Redaktionen die Marke Journalist auf die Marke der Publikation trifft. Auf der einen Seite der Autor, der seinen Namen, seinen Stil, seinen Ruf verbreiten will. Auf der anderen Seite das Medium, für das er schreibt, welches ebenfalls einem Markenbild folgt und dieses verteidigen muss, will es nicht beliebig wirken.

Es gab ja bereits Rechtsstreitigkeiten um die Frage, in wie weit eine Redaktion den Text eines freien Mitarbeiters redigieren kann, und letztlich ist dies auch ein Ausdruck des Kampfes um die Marken-Herrschaft. Ich selbst habe erlebt, wie unschön solche Konflikte enden können. Manchmal bleibt am Ende nur die Trennung.

Natürlich ist es auch denkbar, dass eine Publikation einfach eine möglichst große Vielfalt ihrer Autoren abbildet, dass sie vielleicht sogar vom Glanz der Marken ihrer Autoren profitiert. Allerdings droht sie dabei auch ihre Identität, ihren Zusammenhalt zu verlieren. Und ein journalistisches Medium, das keine klare DNA besitzt, wird es schwer haben, sich im Wettbewerb zu behaupten.

Ich glaube nicht, dass die Lösung für dieses Problem auf Seiten der Journalisten gesucht werden kann. Je mehr Arbeitsplätze in den Redaktionen abgebaut werden, je mehr Zeitungen und Zeitschriften eingestellt und verkauft werden, umso mehr werden sie gezwungen sein, eine Marke aus sich zu machen. Es liegt stattdessen an den Verlagen, ihre festen und freien Mitarbeiter gar nicht erst in diese Situation zu bringen.

Auto-Aggression

Abends um neun, das ist Parkplatz-Großkampfzeit bei uns im Viertel. Wir sind mit einem Kleinwagen unterwegs, nichts aufregendes, aber für unseren dichtbesiedelten Stadtteil nicht das schlechteste Auto.

Plötzlich sehe ich einen jungen Typen mit Sporttasche über der Schulter. Er muss aus dem Fitnessstudio bei uns um die Ecke kommen, könnte ja sein, dass er in das Auto da vorne steigt und wir den Parkplatz nehmen können. Ich nehme Blickkontakt auf. Einmal. Nichts. Zweimal. Nichts. Dreimal. Er schaut mich an, er schaut meinen Kleinwagen an, er lächelt. Nicht nett, sondern süffisant, herablassend, überheblich. Dann dreht er den Kopf weg.

Der Kerl steigt jetzt in seinen Wagen, es ist ein BMW 3er Cabrio. Er lässt sich Zeit, obwohl er weiß, dass wir warten. Demonstriert lieber, was er für ein geiles Auto hat, und öffnet das Verdeck. Er fühlt sich großartig dabei, doch in Wahrheit macht er gerade den ersten Fehler. Der 3er trägt ein Blechdach, die Interessierten unter ihnen wissen das sicherlich, und es gibt wirklich kaum einen uncooleren Anblick als ein sich zusammenfaltendes Blech-Klappdach. Also, dachte ich jedenfalls, während ich weiter darauf wartete, dass der junge Mann endlich den Rückwärtsgang einlegt.

Aber doch, es geht schlimmer, denn jetzt macht Mr. Extremlässig den zweiten, für mich entscheidenden Fehler: Er fährt die Seitenscheiben hoch. Als Mann. Bei einem Cabrio. Mit geöffnetem Dach. Machen wir es kurz: Das ist lächerlich. Dach runter, aber Seitenscheiben hoch, das ist das automobile Einerseits/Anderseits, ein Ausdruck kompletter Unsicherheit, ein Zeichen des Rollen-Wirrwarrs zwischen Abenteurer und Angsthasen.

Der junge Typ ahnt davon nichts, als er davon fährt, er hält sich immer noch für was viel besseres und macht gedanklich den Heini da im roten Kleinwagen noch viel kleiner. Aber ich, ich lächele. Denn ich weiß, dass ich eben gegen ihn gewonnen habe.

 

Rentner im ICE

Kurzer Livebericht aus dem ICE 109 Hamburg-Berlin:

Rentnerinnen-Gruppe hat das Kunststück fertig gebracht, die geschätzten zehn Bahnsteig-Durchsagen zu überhören, dass dieser Zug heute in umgekehrter Wagenreihenfolge unterwegs ist. Jetzt entern die Damen schimpfend Wagen 27 und beschweren sich, dass sie einmal durch den ICE laufen mussten. O-Ton: „Das ist mal wieder typisch Deutsche Bahn.“

Ich packe die kurz vor der Fahrt bei Saturn gekauften schalldichten In-Ear-Kopfhörer aus – die könnten sich in den nächsten anderthalb Stunden schon bezahlt machen.