Vier Leben und zwei Gesichter

Du kannst Spagat zwischen Menschen und Dingen
doch sie fressen dich

Es ist ein magischer Moment in der Hamburger Laieszhalle. Akustikkonzert von Axel Bosse, er singt sein Lied „Vier Leben“, ganz leise, ganz eindringlich. Es geht darum, wie wir immer versuchen, alles auf einmal zu machen. Davon, wie wir uns immer selbst überfordern und doch nichts gebacken kriegen. Davon, wie wir uns verzetteln und das Eigentliche nicht mehr sehen.

Du bist hier und überall, doch nie wirklich da, nur überall dabei

Die Fans in der Konzerthalle singen mit. Auch sie ganz eindringlich, aber nicht leise, sondern beeindruckend laut. Es wirkt wie: Wir verstehen dich, Bosse, wir kennen das ganz genau, wir erleben das ganz genauso wie du.

Ich gucke mich um. Viele von denen, die da singen, halten ihre Handys hoch und filmen mit. Sie singen also davon, dass wir uns auf den Moment besinnen sollten, und sie schaffen es selbst nicht mal während dieser drei Minuten siebenundfünfzig.

Ich fand es in dem Moment ein bisschen doof. Und vor allem ganz schön traurig.

Die kursiven Textstellen sind Zitate aus dem Lied „Vier Leben“ von Axel Bosse, erschienen auf dem Album „Kraniche“.